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Orchideensubstrat
 
   
 
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Inhalt:
 Allgemeines
 Zweck von Orchideensubstrat und Anforderungen
 Bestandteile und Selbstherstellung von Orchideensubstrat
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 Pflanzerde / Substrat


Allgemeines

Orchideen sind meistens epiphytische Pflanzen, d.h. sie besitzen Luftwurzeln, mit denen sie sich an ihren Wirtspflanzen festhalten. Die Wurzeln hängen dabei frei in der Luft. Die Luftfeuchtigkeit ist dort, wo diese epiphytischen Orchideen vorkommen, so hoch, daß sie von den Luftwurzeln aufgenommen werden kann. Regentropfen perlen an diesen Wurzeln recht gut ab, und kurz nach dem Regenschauer sind sie wieder trocken. Wenn die Luftwurzeln dauerhaft mit Wasser in Kontakt kommen, fangen sie in kürzester Zeit an zu faulen. Man darf daher für solche Orchideen auf gar keinen Fall normale Blumenerde verwenden. Nachfolgend können Sie erfahren, welche Ansprüche an Orchideensubstrat gestellt werden, aus welchen Bestandteilen es besteht und wie man sich selbst welches mit geringem Aufwand herstellen kann.


Zweck von Orchideensubstrat und Anforderungen

Wenn man sich das natürliche Umfeld anschaut, braucht man überhaupt kein Orchideensubstrat, denn an natürlichen Standorten steht den epiphytischen Orchideen auch keines zur Verfügung. Diese halten sich nämlich mit den nackten Luftwurzeln lediglich an der Rinde der Bäume fest, auf denen sie wachsen, und hängen ansonsten komplett im Freien. Bestenfalls ist die Rinde der Bäume mit Moos oder Flechten besetzt, was für eine etwas erhöhte Luftfeuchtigkeit im Bereich der Luftwurzeln sorgt. Die Idee, Orchideen in der Wohnung wie in ihrer Heimat auf einem Stück Stamm eines Baumes zu plazieren, klingt im ersten Moment naheliegend, ist aber normalerweise nicht praktikabel. Erstens ist das Klima in mitteleuropäischen Wohnungen nicht mit dem Dschungel vergleichbar - vor allem die Luftfeuchtigkeit ist viel niedriger. Und zweitens will wegen des hohen Platzbedarfs und des Aussehens kaum jemand die mitunter sehr langen Wurzeln herunterhängen lassen, sondern normalerweise will man eine Orchidee in einem Topf z.B. auf die Fensterbank stellen.

Aufgrund der meistens viel zu niedrigen Luftfeuchtigkeit in der Wohnung würden epiphytische Orchideen ohne Substrat infolge Wassermangels sehr schnell eingehen, selbst wenn man sie täglich mehrfach mit Wasser einsprüht. Daher muß man einen Weg finden, lokal im Bereich der Wurzeln die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Dies kann man dadurch erreichen, indem man ein extrem luftiges Substrat mit großen Zwischenräumen zwischen den Substratstückchen benutzt und das Substrat nur leicht feucht hält. Das aus den Substratstückchen verdunstende Wasser erhöht lokal die Luftfeuchtigkeit, und die Luftwurzeln kommen mit flüssigem Wasser nur ganz kurz beim Gießen in Berührung - fast genauso wie in der Natur. Wenn man eine Orchidee schon als Jungpflanze in solches Substrat eintopft, wachsen die Luftwurzeln innerhalb des Pflanztopfes, und man erhält so wie gewünscht eine Orchidee, die man auf die Fensterbank stellen kann.

Die Anforderungen an das Substrat sind, daß es einerseits ausreichend luftig ist, damit an den Luftwurzeln keine Fäulnis entsteht, andererseits aber Wasser speichern kann, ohne an der Oberfläche zu naß zu werden. Zusätzlich soll es mechanisch ausreichend stabil sein, damit die Wurzeln darin Halt finden. Dementsprechend müssen die Bestandteile relativ groß und eher unregelmäßig geformt sein, damit beim Schütten in einen Pflanztopf größere Hohlräume entstehen können, in denen sich ein geeignetes Mikroklima bilden kann. Desweiteren sollten die Bestandteile strukturstabil sein, Wasser speichern können und an der Oberfläche relativ zügig abtrocknen.


Bestandteile und Selbstherstellung von Orchideensubstrat

Die einzelnen Bestandteile eines guten Orchideensubstrats sollten von ihrer Größe her auf die Größe der Pflanze abgestimmt sein. Junge oder kleinbleibende Orchideen benötigen daher ein feineres Substrat als sehr große Pflanzen. Orchideensubstrat kann aus sehr vielen Bestandteilen hergestellt werden, die alle ihre Eigenheiten besitzen. Oft verwendet werden beispielsweise Rindenstücke, Kokosfasern, Styropor, aufgeschäumter Kunststoff, Spaghnum (Moos), Bast, Holzstücke und Holzkohle. Üblicherweise mischt man Orchideensubstrat aus mehreren Komponenten. Organische Komponenten haben den Nachteil, daß sie mit der Zeit speziell bei häufigen Wassergaben verrotten. Dabei nimmt ihre Wasserspeicherfähigkeit normalerweise zu, während ihre Oberfläche immer langsamer abtrocknet. Dies sorgt dann für eine zu hohe Luftfeuchtigkeit im Bereich der Wurzeln, und aufgrund der immer langsamer abtrocknenden Oberfläche ist es sogar möglich, daß sich Schimmelpilze ansiedeln, die auf die Luftwurzeln der Orchideen übergehen können. Deshalb sollte Substrat aus organischen Bestandteilen alle paar Jahre ausgetauscht werden. Anorganische Bestandteile wie Styropor oder aufgeschäumte Kunststoffe sind hingegen keine Augenweide und speichern entweder viel zuviel Wasser und werden dann klatschnaß (z.B. Schaumstoff) oder sie nehmen beim normalen Gießen/Besprühen fast gar kein Wasser auf (z.B. Styropor). Getrocknetes Spaghnum (Moos) kann ausreichend viel Wasser aufnehmen und ist trotzdem an seiner Oberfläche nicht zu naß, aber es verrotet vergleichsweise schnell und ist nicht strukturstabil. Holzkohle wirkt desinfizierend (speziell als Pulver) und trocknet sehr schnell ab, besitzt aber nur ein kleines Wasserspeichervermögen. Baumrinde ist strukturstabil, trocknet schnell ab, nimmt ausreichend viel Wasser auf und ist auch relativ langzeitstabil, aber die Rindenstückchen liegen, wenn man sie in einen Pflanztopf schüttet, aufgrund ihrer flachen Form viel zu dicht aufeinander, wodurch sich eine schlechte Durchlüftung ergibt. Holz ist zwar auch strukturstabil, und nimmt ausreichend viel Wasser auf, aber dessen Oberfläche trocknet nur langsam ab. Bast und Cocosfasern können sehr viel Wasser speichern und sind auch ausreichend strukturstabil, aber ihre Oberfläche trocknet nur sehr langsam ab.

Käufliche "Orchideenerde" aus dem Baumarkt ist selten empfehlenswert. Gutes Orchideensubstrat ist hingegen normalerweise bei Orchideenzüchtern und auf Orchideen spezialisierten Betrieben erhältlich. Leider findet man sie nicht immer "um die Ecke". Darüberhinaus ist oft der Preis relativ hoch. Wenn Sie deutlich mehr als nur Orchideensubstrat für eine einzige Orchidee benötigen, empfiehlt es sich daher, das Substrat selbst zu mischen. Ich verwende selbst gern eine Mischung, die nur aus Rinde, Holzstücken und Holzkohle besteht. Die hierfür geeignete Pinien- oder Kiefernrinde erhält man in Säcken praxisnaher Größe für wenige Euro in Baumärkten oder Gartencentern, und kleinere unbehandelte Holzstücke (z.B. Schnittabfall von Obstbäumen) sowie Holzkohle muß man wohl nicht extra kaufen. Wichtig ist, daß sowohl die Rinde als auch die Holzstücke nicht frisch verwendet werden sondern gut durchgetrocknet und schädlingsfrei sind. Im Zweifelsfall kann man sie beispielsweise im Backofen bei Einstellung auf 50 °C einige Stunden lang nachtrocknen (aufgrund der relativ geringen Temperatur hält sich der Energieverbrauch in Grenzen). Eine kurze Behandlung der trockenen Rinde bzw. Holzstücke in der Mikrowelle auf höchster Stufe tötet recht zuverlässig etwaige Schädlinge und deren Eier ab.

Das Mischungsverhältnis ist nicht sehr kritisch. Ein ungefähres gleiches Volumen von Rinden-, Holz- und Holzkohlenstücken ist eine gute Ausgangsbasis. Schütten Sie die Komponenten nicht einfach zusammen, sondern greifen Sie Sie unbedingt mit den Fingern. So vermeiden Sie, daß zu kleine Stücke und Dreck bzw. Staub in die Substratmischung gelangen. Mischen Sie mit den Händen nun einfach kurz durch, und fertig ist das Orchideensubstrat. Wem die schwarze Holzkohle optisch nicht gefällt, kann sie entweder ganz weglassen oder aber (besser) den Pflanztopf nur zu etwa 3/4 mit der Mischung füllen und den Rest mit Rindenstücken auffüllen.
  

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Letzter Upload dieser Seite: 05.11.2016 (Untergeordnete Seiten können aktueller sein)