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Pflanzen - Vegetative Vermehrung
 
   
 
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Inhalt:
 Allgemeines
 Benötigtes Material
 Stecklinge
 Abmoosen
 Bewurzelungshormone


Allgemeines

Es gibt nicht wenige Pflanzen, die man über  Samen nur schlecht oder nicht sortenrein vermehren kann. Solche Pflanzen lassen sich aber meistens vegetativ vermehren. Vom Erbgut her unterscheiden sich auf diese Art vermehrte Pflanzen in keiner Weise von der Mutterpflanze. Der Vorteil ist, daß man recht schnell einigermaßen große Pflanzen erhält. Nachteilig ist aber, daß oft das Wurzelsystem nicht so gut ist wie dasjenige von über Samen vermehrten Pflanzen. Solche Pflanzen sind dann meistens anfälliger für Pflegefehler. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Pflanzen, die am vorteilhaftesten vegetativ vermehrt werden.

Mit ein wenig Geschick kann man zu Hause sehr leicht Pflanzen auf diese Weise vermehren. Man braucht nur wenige Gerätschaften, die oft sogar im Haushalt ohnehin vorhanden sind. Zudem sind diese nicht teuer, so daß es mit Sicherheit sinnvoll ist, einen Versuch zu wagen.


Benötigtes Material

Blumentopf

Sie benötigen einen Blumentopf, der tief genug ist, um den Steckling aufzunehmen. Vorteilhaft aber selten anzutreffen sind tiefe Blumentöpfe mit geringem Durchmesser wie sie für Rosen und Palmen üblich sind.

Um die Luftfeuchtigkeit lokal zu erhöhen, brauchen Sie zusätzlich eine durchsichtige Plastiktüte o.ä., die über den Blumentopf gestülpt wird. Vorteilhaft sind zusätzliche Bambus- oder Plastikstäbe, die die Plastikfolie vom Steckling fernhalten, damit dieser keinen Kontakt mit dem Kondenswasser hat, was ebenfalls zu Fäulnis führen kann.


Gewächshaus

Statt eine Plastiktüte zu verwenden, können Sie den Blumentopf mit dem Steckling auch in ein Zimmergewächshaus respektive Minigewächshaus stellen. Empfehlenswert sind solche aus stabilem Material und einem hohen, durchsichtigen Deckel. Kostenpunkt: Meistens zwischen 2,50 und 5 Euro. Sie haben gegenüber einer Plastiktüte den Vorteil, daß das Luftvolumen größer ist und zudem Lüftungsöffnungen vorhanden sind, so daß ein stetiger Luftaustausch möglich ist und die Neigung zur Schimmelbildung vermindert wird.


Wassersprüher

Unbedingt erforderlich ist ein Wassersprüher. Es muß nicht unbedingt ein Gerät aus dem Gartenhandel sein. Genauso gut tut es ein vielleicht schon vorhandenes Sprühgerät, wie es zum Anfeuchten von Wäsche beim Bügeln verwendet wird.


Anzuchtsubstrat

Das Anzuchtsubstrat ist ein wenig heikel. Man kann zwar prinzipiell "alles" nehmen; zu empfehlen ist aber ein luftiges und durchlässiges Substrat, das zudem Wasser gut speichert und vor allem mehr oder minder "keimfrei" ist. Denn schließlich soll dort nur der Steckling wachsen und kein Schimmel oder Ähnliches. Bewährt hat sich bei mir auch hierfür das Cocossubstrat KokoHum (siehe  Aussaat und Anzucht), das alle Anforderungen sehr gut erfüllt. Aber auch sauberer (=gewaschener) Rheinsand funktioniert; allerdings ist dessen Wasserspeichervermögen nicht sehr hoch und bei nicht sehr sorgfältigem Gießen neigt dieser zur Vernässung. Besser als dieser soll Blähton mit kleinem Durchmesser geeignet sein, wie er für Hydrokultur angeboten wird, was ich persönlich aber noch nicht ausprobiert habe. Hierbei muß aber normalerweise sichergestellt sein, daß der Wasserstand so niedrig ist, daß der Steckling nicht hineinragt, damit er nicht verfault.


Stecklinge

Als Steckling verwendet man meistens einjährige, halbverholzte Triebe, bei bestimmten Pflanzen aber auch ganz junge Triebe (z.B. bei Pelargonien d.h. "Geranien"). Vorzugsweise zu Beginn der Vegetationsperiode im Frühjahr schneidet man einen oder mehrere Triebe so ab, daß an der Schnittstelle halbverholztes Material vorhanden ist. Ideal sind Triebe, die Blattknospen angesetzt aber noch keine Blätter ausgebildet haben. Die ideale Länge der Stecklinge ist stark pflanzenabhängig; sie kann von wenigen Zentimetern bis zu ca. 30-40 cm reichen. Aus einem langen Trieb kann man durchaus auch mehrere Stecklinge schneiden. Jeder Steckling muß oben mindestens eine Knospe oder ein Blatt besitzen. Mehr als 2 bis 3 Blätter dürfen es aus Gründen der Wasserverdunstung aber nicht sein. Entfernen Sie daher an einem Steckling alle Blätter darunter. Verletzen Sie nun die Rinde in dem Bereich, in dem der Steckling in das Substrat kommt, stellenweise ein wenig durch ganz leichtes Abschaben mit einem Messer. Denn nur an leicht verletzten Stellen kann sich Kallusgewebe und damit später die Wurzeln bilden. Setzen Sie die so vorbereiteten Stecklinge in einen Blumentopf o.ä., wobei das unbedingt luftige Substrat vorher leicht angefeuchtet wird, sofern es zu trocken ist. Wichtig ist, daß das Substrat nur ganz leicht feucht und keinesfalls klitschnaß ist ("beliebter" Anfängerfehler).

Jetzt muß der Steckling an einen warmen (ideal sind ca. 20 bis 25 °C, bei manchen Arten wie z.B. Bougainvillea auch mehr) und hellen Ort. Stecklinge mögen zwar einen hellen Standort aber keine direkte Sonne. Auch die Nähe von Heizkörpern ist gefährlich, da oft so hohe Temperaturen erreicht werden, daß der Steckling eingeht; außerdem ist dort fast immer die Luftfeuchtigkeit sehr gering. Wichtig ist auch eine ausgeglichene Luftfeuchtigkeit von möglichst mehr als 60 aber weniger als 80%. Bei zu geringer Luftfeuchtigkeit vertrocknen die Stecklinge, bei zu hoher verschimmeln sie hingegen sehr leicht. Durch Überstülpen einer durchsichtigen Plastiktüte kann man bei Bedarf mit ein wenig Geschick ein günstiges Mikroklima erzeugen. Wichtig ist, daß man mittels zusätzlicher Stäbe verhindert, daß die Stecklinge mit ihr in Berührung kommen (wg. mechanischer Belastung sowie Schimmelbildung durch Kondenswasser) und daß eine ausreichende Lüftung gegeben ist - also keinesfalls die Tüte verschließen. Alternativ kann man auch ein kleines Zimmergewächshaus verwenden. Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte das Substrat auf 25 °C temperieren, während die Lufttemperatur nur etwa 20 °C beträgt. Dies fördert die Wurzelbildung und vermindert gleichzeitig die Verdunstung über die Blätter. In allen Fällen muß man regelmäßig einen Ausgleich für verdunstetes Wasser schaffen. Aber bitte produzieren Sie keinen Sumpf: Die wohl häufigste Todesursache für Stecklinge ist Vernässung und damit verbundene Fäulnis.

Nach einigen Wochen oder mitunter auch Monaten (bei einem Oleander hatte es bei mir sogar einmal mehr als ein Jahr gedauert) wird der Steckling bei guter Pflege und mit ein wenig Glück anfangen zu treiben. Dies ist meistens das Zeichen, daß die Bewurzelung gelungen ist; manche Pflanzen wie z.B. Efeu treiben aber auch, ohne daß Wurzeln gebildet wurden. Geben Sie ihm nun noch genügend Zeit, um mehrere neue Blätter zu bilden. Während dieser Zeit sollte der Steckling langsam aber stetig an die Umgebung durch sukzessive Lüftung gewöhnt werden. Bei einem Zimmergewächshaus stellt man hierzu den Deckel immer ein wenig weiter auf, während man bei einer Plastiktüte diese immer öfter und immer länger entfernt oder auch immer mehr Löcher hineinschneidet. Sobald der Steckling an die Umgebung gewöhnt ist, wird er ganz normal gegossen und gepflegt. Jetzt kann man auch beginnen, ganz schwach dosiert zu düngen. Umtopfen sollte man nicht gleich, um nicht die gerade erst mühsam gebildeten Wurzeln zu schädigen. Auch sollte man es vermeiden, den Steckling mechanisch zu belasten, weil dann sehr leicht die Wurzeln abbrechen.

Seien Sie nicht enttäuscht, wenn der Steckling nicht -wie man sagt- "angeht" sondern verdörrt. Das kann viele Ursachen haben, die nicht alle bei Ihnen liegen. Bougainvillea beispielsweise, eine überaus hübsche mediterrane Pflanze, läßt sich nur äußerst schwer vegetativ vermehren. Und das trifft leider auch auf manche anderen Pflanzen zu. Auch einige Citrusarten sind diesbezüglich recht störrisch. Allerdings sollten Sie auch nicht gleich die Flinte ins Korn werfen: Oft wirken die Stecklinge mehr oder minder welk und erwecken den Anschein, als ob sie es nicht schaffen würden. Aber oft trügt dieser optische Eindruck. Aufgeben sollte man einen Steckling erst dann, wenn er absolut vertrocknet und kein bißchen grün mehr ist.

Für den Anfang würde ich Ihnen einmal Pelargonien ("Geranien") zum Üben empfehlen, die man zu jeder Jahreszeit auf diese Art vermehren kann. Hierfür brauchen Sie lediglich ein etwa 5 cm langes Stück der Triebspitze, was der Mutterpflanze nicht schadet, sondern sie vielmehr zur Verzeigung und damit einhergehendem buschigen Wuchs anregt. Mit diesem Steckling verfahren Sie dann wie oben beschrieben. Die Plastikhaube brauchen Sie hier nicht unbedingt. Nach nur wenigen Wochen erhalten Sie eine neue Pflanze. Die Bewurzelung erfolgt sehr problemlos.

Zu empfehlen aber nicht immer von Erfolg gekrönt ist die Anzucht von aus dem Urlaub mitgebrachten Stecklingen. Wichtig hierbei ist, daß die Stecklinge möglichst ganz kurz vor der Abreise geschnitten und zudem in einer feuchten Umgebung aufbewahrt werden (z.B. in feuchtes Papier einwickeln und in eine Plastiktüte stecken). Günstig ist es, wenn man nur einige Blätter stehen läßt und zudem große Blätter einkürzt, um die Verdunstung zu minimieren. Man muß unbedingt darauf achten, daß die Stecklinge keine starke Röntgenstrahlung abbekommen (also ins Handgepäck nehmen, denn die Geräte für dessen Kontrolle sind so schwach, daß sie auch Filmen nicht schaden). Klar, daß die erste Aktion zu Hause nicht das Auspacken der Koffer sondern unbedingt das Pflanzen der Stecklinge sein muß.


Abmoosen

Abmoosen ist eine recht unkomplizierte Art und Weise, wie man ziemlich zuverlässig zu Ablegern kommen kann. Im Gegensatz zu Stecklingen, bei denen die Bewurzelung abgetrennt von der Mutterpflanze erfolgt, wird die Bewurzelung beim Abmoosen an der Mutterpflanze selbst vorgenommen. Hierzu schneidet man einen Ast mit einem scharfen Messer schräg ein. Ein Drittel des Astdurchmessers sollte stehen bleiben. Sodann klemmt man einen unverrottbaren Gegenstand (z.B. ein Plastikstück) in den Spalt, so daß dieser offengehalten wird. Um diesen Spalt herum wickelt man Spagnum-Moos und bindet dieses mit einem Kunststoffseil, einem Stück Draht o.ä. fest. Das Moos, das diesem Verfahren den Namen gegeben hat, wird dann angefeuchtet und von da an immer feucht gehalten. Nach einigen Wochen oder Monaten bilden sich am Spalt Wurzeln. Durch kurzes Abnehmen des Spagnums können Sie dies kontrollieren. Sobald sich genügend Wurzeln gebildet haben, wird das restliche Drittel ebenfalls durchtrennt und die abgemooste Pflanze in lockeres Substrat gepflanzt. Eine erhöhte Luftfeuchtigkeit (Zimmergewächshaus oder Plastiktüte,  s.o.) ist zwar meistens nicht unbedingt erforderlich aber mitunter hilfreich.

Zwar funktioniert das Abmoosen mit vielen Pflanzen aber noch längst nicht bei allen. Bekannteste Gruppe hierfür: Die allermeisten Palmen kann man weder durch Stecklinge noch durch Abmoosen vermehren. Grob kann man sagen, daß man alle Pflanzen, die man zurückschneiden kann, auch vegetativ vermehren kann. Wenn Sie die Wahl zwischen Stecklingsanzucht und Abmoosen haben, sollten Sie das Abmoosen vorziehen, da dieses zuverlässiger funktioniert. Denn das abzumoosenden Stück der Pflanze wird ja immer noch durch die Mutterpflanze versorgt, auch wenn die Versorgung durch den Einschnitt künstlich verringert wurde.


Bewurzelungshormone

Sofern Sie Zugang zu Bewurzelungshormonen haben (ich meine nicht sogenannte Bewurzelungspulver auf Kräuter- oder Algenbasis), können Sie die Wahrscheinlichkeit der erfolgreichen Bewurzelung von Stecklingen deutlich erhöhen. Leider sind diese in Deutschland extrem schlecht erhältlich. Wenn überhaupt, erhält man diese in Form eines Pulvers, das aus ein wenig Bewurzelungshormon (meistens Indolyl-Essigsäure (IAA), seltener Indolyl-Buttersäure (IBA) oder Naphtyl-Essigsäure (NAA)) vermischt mit einem Füllstoff (meist Talkum) besteht. Bei holzigen, schlecht wurzelnden Stecklingen erhält man die besten Ergebnisse mit einer relativ hohen Konzentration von IAA (bis zu 2%), während fleischige Stecklinge wie z.B. Geranien bei niedrigerer Konzentration von NAA (weit unter 1%) besser wurzeln.

Sofern Sie sich im Urlaub im Ausland aufhalten, führt oft der Weg in einige Gartencenter oder auch sehr kleine Gartengeschäfte zum Erfolg, vor allem in Südeuropa. Sehr häufig wird beispielsweise in Spanien das Produkt Rootone angeboten, das besonders für fleischige Stecklinge geeignet ist. Sie können sich Bewurzelungshormone aber auch schicken lassen; das wohl bekannteste Produkt ist Rhizopon (URL siehe  Linkliste). Ein anderer, nicht für jeden gangbarer Weg ist, sich die Chemikalien z.B. im Chemikalienhandel zu besorgen. Man braucht dann aber zur Dosierung eine recht genaue Waage, mit der man auch Mengen im Milligrammbereich abwiegen kann.

Das Pulver wird so angewandt, daß man den wie oben beschrieben vorbereiteten Steckling kurz in Wasser taucht, das grob anhaftende Wasser gut abschüttelt oder abtupft, den zu bewurzelnden Teil mit dem Hormonpulver bestreut und ihn vorsichtig in das vorbereitete Pflanzloch steckt, das von der Seite her vorsichtig zugedrückt wird, damit das Pulver nicht abgestreift wird.

Eine andere sehr erfolgversprechende Methode ist, aus den Bewurzelungshormonen eine wässrige Lösung mit einer Konzentration zwischen 150 und 250 ppm herzustellen und die Stecklinge sich darin einen bis zwei Tage vollsaugen zu lassen. Dies funktioniert nur, wenn Sie über die Reinchemikalien selbst oder zum Gießen geeigneten Produkt verfügen; mit dem üblichen Bewurzelungspulver, das hauptsächlich aus wasserunlöslichem Talkum besteht, funktioniert das nicht. Bei sehr schwer zu bewurzelnden Stecklingen (z.B. Bougainvillea) kann es sinnvoll sein, im Abstand von ein bis mehreren Wochen erneut eine Lösung herzustellen und ein wenig davon direkt an die Stecklinge zu gießen.
  

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